Der Lehrstuhl für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Diversity Education und internationale Bildungsforschung begrüßt Dr. Gabriel Cohen vom 4. bis 8. Mai 2026 als ERASMUS+ Gastdozenten in Nürnberg.
Dr. Gabriel Cohen ist Senior Lecturer am Academic Gordon College of Education (Haifa, Israel) und promovierter, zertifizierter Verhaltensanalytiker (BCBA-D) mit über 20 Jahren Berufserfahrung. Als derzeitiger Leiter des „Premium ABA“-Programms an der Gordon Academy in Haifa bringt Dr. Cohen eine einzigartige Mischung aus akademischer Führung und klinischer Exzellenz an die FAU. Als britischer Staatsangehöriger und israelischer Staatsbürger war er nicht nur rund 15 Jahre lang im Vereinigten Königreich tätig, sondern schloss dort auch sein Studium mit Auszeichnung ab. Er promovierte an der Hebräischen Universität Jerusalem sowie an der Selinus University in Italien, wo er seine Promotion ebenfalls mit Auszeichnung abgeschlossen hat.
Das Herzstück von Dr. Cohens innovativem Ansatz ist das so genannte „Behavioural Prism“. Dieser theoretische Rahmen lädt dazu ein, die soziale Welt durch eine verhaltensorientierte Linse zu betrachten. Dabei wird das Individuum als ein vielschichtiger, autonomer Organismus wahrgenommen und nicht als eine bloße Ansammlung soziologischer Etiketten. Sein Standpunkt wird durch Forschungsergebnisse gestützt, die zeigen, dass Genetik und „Persönlichkeitsmerkmale“ zwar etwa 6–13 % unseres Verhaltens beeinflussen, weitreichende Umweltvariablen jedoch rund 56 % ausmachen.
Dr. Cohen argumentiert, dass traditionelle Ansätze zu Persönlichkeitsmerkmalen oft in gefährliche Zirkelschlüsse verfallen. In diesen Modellen wird Verhalten häufig durch Persönlichkeitsmerkmale oder Diversity-Variablen „erklärt“, die wiederum durch eben dieses Verhalten definiert sind. Dies führt zu einer Schein-Erklärung, die die Beobachtung lediglich in einer anderen Form wiederholt, anstatt eine tatsächliche Ursache zu identifizieren. Aus verhaltenstheoretischer Sicht vertritt er die Auffassung, dass es keine singuläre „Ursache“ gibt, sondern vielmehr eine dynamische Transaktion zwischen dem Verhalten des Individuums und der Umgebung, in der dieses Verhalten gezeigt wird.
Das Verhaltensprisma zwingt uns dazu, über diese zirkulären Etikettierungen hinauszublicken, um grundlegend etwas über die Person zu erfahren: ihre einzigartige Art der Kommunikation und des Verstehens, ihre Lernstile, Bedürfnisse, Vorlieben, Bestrebungen und das, was sie wirklich will oder mag. Dr. Cohen betont, dass dieser individualisierte Fokus für jeden Menschen gilt – nicht nur für Personen mit sogenannten „Lernschwierigkeiten“ –, da Etiketten lediglich dazu dienen, weitere Gruppen und Trennungen zu schaffen.
Grundsätzlich ist Dr. Cohen davon überzeugt, dass jeder Mensch handelt, ungeachtet seines Hintergrunds oder Standorts, und dass jeder den fundamentalen Wunsch nach einer hohen Lebensqualität (Quality of Life, QOL) teilt. Da Lebensqualität ein subjektives Maß ist, das für jedes Individuum anders definiert wird, ermöglicht sein Ansatz einen wahrhaft personalisierten Weg zum Erfolg durch individuelle Handlungsfähigkeit und soziale Anpassung.
Während seines Aufenthalts an der FAU (4. – 8. Mai 2026) möchte Dr. Cohen dieses verhaltenszentrierte Modell und seine Auswirkungen auf die globale Bildung und Diversität diskutieren. Er freut sich darauf, die Forschung von Studierenden zu unterstützen, Mentoring im Bereich klinischer Führung anzubieten und neue Kooperationen zwischen dem Academic Gordon College of Education und der FAU-Community zu fördern.
